Probiotika bei Harnwegsinfektionen
Lange Zeit wurde angenommen, dass die Harnwege steril sind. Doch Forschungen des letzten Jahrzehnts haben gezeigt, dass es ein Mikrobiom der Harnwege gibt – das sogenannte Urobiom (1). Harnwegsinfektionen (HWI) gehören zu den häufigsten Infektionen, insbesondere bei Frauen. Tatsächlich haben in den USA eine von drei Frauen unter 24 Jahren bereits Antibiotika gegen HWI verschrieben bekommen (1). Die Rückfallrate ist hoch – bis zu 30 % innerhalb von sechs Monaten. Der hohe Einsatz von Antibiotika führt zur Entwicklung von Antibiotikaresistenzen und kann die Zusammensetzung sowohl des Darm- als auch des Urobioms verändern, was das Risiko für wiederkehrende Infektionen und andere Erkrankungen erhöht (1,2).
Besonders Frauen leiden häufig unter HWI, wobei sowohl die Darm-Blasen- als auch die Vaginal-Blasen-Achse eine Rolle spielen. Denn sowohl das Darm- als auch das Vaginalmikrobiom können eine Quelle für Krankheitserreger sein, die HWI verursachen (2). Die Gesundheit dieser beiden Mikrobiome ist entscheidend, um das Überwachsen opportunistischer Pathogene, die HWI auslösen können, zu verhindern. Klinische Studien zeigen, dass bestimmte orale und vaginale Probiotika das Risiko für HWI senken können (2).
Während die Behandlung des Darmmikrobioms zunehmend bekannter wird und Stuhlanalysen helfen können, potenzielle Krankheitserreger für personalisierte Mikrobiomtherapien zu identifizieren, ist das Vaginalmikrobiom weniger gut erforscht. Im Gegensatz zum Darmmikrobiom ist ein gesundes Vaginalmikrobiom durch eine sehr geringe Diversität gekennzeichnet. Eine hohe Diversität hingegen wird mit Dysbiose und einem Überwachsen von Krankheitserregern in Verbindung gebracht (3). Ein Vaginalmikrobiom, das von Laktobazillen (insbesondere Lactobacillus crispatus) dominiert wird, gilt als gesund und kann das Wachstum von HWI-Erregern wie E. coli hemmen (4). Eine randomisierte kontrollierte Studie (RCT) mit einem vaginal verabreichten Probiotikum, das eine L. crispatus-Stamm enthielt, zeigte ein verringertes Risiko für wiederkehrende HWI – insbesondere dann, wenn der probiotische Stamm das Vaginalmikrobiom erfolgreich besiedelte (5).
Aus diesem Grund enthalten die magistral hergestellten vaginalen Zäpfchen, die vom Microbiome Center in Zusammenarbeit mit unserem Apotheker entwickelt wurden, zwei verschiedene L. crispatus-Stämme. Je nach Vorliegen einer Dysbiose im Darm oder in der Vagina können Patienten mit HWI entweder mit einer personalisierten Darmmikrobiomtherapie und/oder mit vaginalen Zäpfchen behandelt werden. Die personalisierte Darmmikrobiomtherapie kann über Advice Aid auf unserer Plattform verordnet werden, während die vaginalen Zäpfchen direkt über die Schaltfläche „Neu“ verschrieben werden können, indem die Kategorie „Magistrales Produkt“ oben ausgewählt wird.
References:
