Das Darmmikrobiom spielt eine Rolle bei Migräne
Migräne ist eine invalidisierende, weit verbreitete Erkrankung, die etwa 15% der Bevölkerung betrifft. Es ist allgemein bekannt, dass viele Migränepatienten unter Übelkeit oder Erbrechen leiden, aber auch andere gastrointestinale Beschwerden kommen häufig vor. Migränepatienten haben beispielsweise 2-4 Mal häufiger Reizdarmsyndrom (IBS) als gesunde Menschen (1,2). Dies ist ein starker Hinweis darauf, dass die Darmgesundheit mit Migräne in Verbindung steht.
In den letzten Jahren wurden verschiedene Mechanismen identifiziert, die eine Rolle in der Mikrobiom-Migräne-Verbindung spielen könnten. So werden bei Migränepatienten gestörte anatomische Barrieren, wie die Darm-Blut- und Blut-Hirn-Schranke, beobachtet, was zu systemischen und neuroinflammatorischen Reaktionen führen kann (3,4). Auch die Insulin-Signalisierung ist bei Migränepatienten gestört, und es ist bekannt, dass das Mikrobiom diese direkt beeinflussen kann (4,5).
Darüber hinaus ist allgemein bekannt, dass eine gestörte Serotonin-Signalisierung eine wichtige Rolle in der Pathogenese der Migräne spielt (6). Es ist wichtig, dass der Stoffwechsel des Vorläufers Tryptophan über die Serotonin-, Indol- oder Kynurenin-Wegen vom Darmmikrobiom beeinflusst wird (7). Es ist zum Beispiel bekannt, dass Metaboliten aus dem Kynurenin-Weg den NMDA-Rezeptor beeinflussen, der eine Rolle bei der kortikalen Spread Depression der Migräne spielt. Interessanterweise sind auch verschiedene Tryptophan-Metaboliten bei IBS-Patienten gestört.
Ein weiterer potenzieller Mechanismus, der identifiziert wurde, ist das Überwachsen von pathogenen Mikroben. So wird eine Helicobacter pylori-Infektion mit Migräne in Verbindung gebracht (7). Zudem wurde auch ein Überwachsen anderer pathogener Bakterien und Hefen bei Migränepatienten festgestellt (8). Da viele pathogene Bakterienarten in der Lage sind, Histamin zu synthetisieren, ist es interessant, dass auch Histaminempfindlichkeit eine Rolle bei Migräne spielt (9).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Identifizierung dieser Mechanismen darauf hindeutet, dass, wenn ein Migränepatient auch gastrointestinale Beschwerden hat, eine funktionelle fäkale Analyse helfen kann, die betroffenen Wege bei dieser Person zu identifizieren. Auf dieser Basis und unter Berücksichtigung anderer Beschwerden und medizinischer Probleme kann eine gezielte Intervention zusammengestellt werden.
References:
- https://doi.org/10.1002/brb3.2291
- https://doi.org/10.1155/2022/8690562
- https://doi.org/10.1177/1535370217743766
- https://doi.org/10.1111/ped.14946
- https://doi.org/10.1016/j.molcel.2020.03.005
- https://doi.org/10.1152/physrev.00034.2015
- https://doi.org/10.3390/ijms221810134
- https://doi.org/10.2147/NDT.S144955
- https://doi.org/10.1186/s10194-019-0984-1
