Interaktion zwischen Bakterien und SARS-CoV-2
Aus verschiedenen Studien sowie aus Daten des niederländischen RIVM ist bekannt, dass Adipositas, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen das Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 erhöhen (1,2). Vor einigen Wochen wurde eine aufschlussreiche Übersichtsarbeit veröffentlicht (3), die auf eine synergistische Wirkung zwischen dem neuen Coronavirus und Lipopolysaccharid (LPS, ein bakterielles Endotoxin) hinweist. Beide senken die Expression des ACE2-Rezeptors in der Lunge, wodurch das Renin-Angiotensin-System gestört wird. Aus Studien mit einem Schweine-Coronavirus ist bekannt, dass die Kombination dieses Virus mit LPS bei Schweinen zu einem schweren akuten Atemnotsyndrom (SARS) führt, während die Exposition gegenüber einem der beiden Erreger allein deutlich mildere Symptome verursacht.
Bei Diabetes und anderen Erkrankungen wird zudem eine erhöhte Darmpermeabilität beobachtet (4), was zu erhöhtem LPS im Blutkreislauf und damit verbundener Insulinresistenz führt (5). Die genannte Übersichtsarbeit (3) liefert somit neue Hinweise darauf, dass eine Stärkung der Darmbarriere ein sinnvoller therapeutischer Ansatz sein könnte, um Patienten mit kardiometabolischen Erkrankungen vor schweren Verläufen zu schützen.
Mykobiom bei Alzheimer
Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass es Unterschiede in der Zusammensetzung des Mikrobioms zwischen Alzheimer-Patienten und gesunden Personen gibt (6,7). Diese Untersuchungen konzentrierten sich ausschließlich auf Bakterien, doch das menschliche Mikrobiom umfasst auch viele andere Mikroorganismen wie Pilze, Archaeen, Protisten und Viren.
Eine neue Publikation kommt zu dem Schluss, dass bei Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung auch Unterschiede im Pilzspektrum (Mykobiom) vorliegen (8). Zudem verglichen die Forschenden den Einfluss zweier Ernährungsformen miteinander. Nur eine modifizierte mediterran-ketogene Diät zeigte eine Wirkung auf das Mykobiom bei Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung. Dies stimmt mit früheren Studien überein, die zeigten, dass diese Diät Marker der Alzheimer-Erkrankung verbessern kann.
Eine weitere aktuelle Studie mit einem Alzheimer-Tiermodell belegt überzeugend, dass eine Stuhltransplantation von gesunden auf erkrankte Mäuse zu einer Reduktion von Amyloid-β-Plaques, niedrigeren Entzündungswerten und weniger kognitivem Abbau führt (9). Diese beiden Studien ergänzen die wachsende Evidenzbasis dafür, dass der Krankheitsverlauf von Alzheimer über den Darm beeinflusst werden kann.
References
- https://doi.org/10.1016/j.dsx.2020.04.044
- https://www.rivm.nl/documents/weekly-update-epidemiologische-gedrag-covid-19-in-nederland
- https://doi.org/10.7554/eLife.61330
- https://doi.org/10.1186/1475-2891-13-60
- https://doi.org/10.2337/db06-1491
- https://doi.org/10.1038/s41598-017-13601-y
- https://doi.org/10.1038/s41598-018-38218-7
- https://doi.org/10.1016/j.ebiom.2020.102950
- https://doi.org/10.1136/gutjnl-2018-317431
